Angstfreiheit als Pfad zur Erleuchtung?

In einem Beitrag einer spirituellen Heilerin habe ich gelesen:

"Eine Angsterfahrung ist immer eine Chance. Nämlich sich dieser zu stellen, zu überwinden und damit wahre Freiheit zu gewinnen".

Mit dieser Einstellung ist sie nicht allein, wird sie doch von vielen spirituellen Lehrern vertreten. Auch in der Bibel ist "Fürchte Dich nicht!" wohl einer der häufigsten vorkommenden Sätze.

Bei mir löst dieser Satz jedoch ein Zusammenziehen des Bauches und Druck auf meinem Hals aus. Ein Gefühl, welches ich als Angst bezeichnen würde.

Mancher Guru (oder deren Anhänger) würden mir deswegen wohl eine minderwertige spirituelle Entwicklungsstufe unterstellen. Doch mein immer noch nicht eliminiertes Ego (plus vielleicht mein wissenschaftlicher Hintergrund) sagt mir: Vielleicht gibt es einen guten Grund für diese Angst.

Den Kopf eingeschaltet überprüfe ich diese Annahme und suche nach berechtigten Gründen: Ich finde sie in real existierenden Gefahren. Meine Angst ist also berechtigt.

Natürlich empfinde ich Angst auch manchmal ohne konkrete Auslöser im Hier und Jetzt. Dann geht es entweder darum, z.B. eine diffuse Angst vor einem Rückfall bzgl. einer schwerwiegenden Krankheit in sinnvolle Handlungen wie einen gesunden Lebensstil überzuführen oder irrationale Ängste wieder verschwinden zu lassen, indem ich mich ihnen stelle.

Aber machmal hat Angst auch einen unmittelbaren Nutzen. Sehr eindrücklich schildert der Sicherheits-Spezialist Gavin de Becker in seinem Buch "Vertraue Deiner Angst - Wie unsere Intuition uns vor Gewalt schützt". Darin schildert er sehr eindrücklich verschiedenste Geschichten von Menschen, deren Vertrauen in ihre Intuition ihr Leben rettete. Oder auch tragische Fälle, in denen Menschen ihre Intuition übergingen und so Opfer von teilweise brutalsten Verbrechen wurden.

Angst ist aber nicht nur ein sehr nützliches, sondern ein extrem spannendes Gefühl.

Ich denke gerade an mich vor 20 Jahren, als ich anfing Gleitschirm zu fliegen. Es brauchte mich kaum Überwindung, mich auf einen Ritt auf dem Wind einzulassen. Als mein neunter Start mir keinen Gleitschirmflug, sondern ein Flug mit dem REGA-Helikopter ins Kantonsspital Glarus bescherte, war die Überwindung vielleicht etwas grösser. Aber dennoch schaffte ich es weiterzumachen, was mir bisher 20 Jahre unglaublich schöne Flugerlebnisse ohne grössere Zwischenfälle bescherte.

Aber für etwas ganz anderes fehlte mir damals der Mut: Meine Gefühle zu äussern gegenüber Menschen, die mir wirklich wichtig waren. Einfach mal auf eine attraktive Frau zugehen und sagen:

"Entschuldige, Du machst mich grade schrecklich nervös! Trotzdem würde ich Dich gerne kennenlernen. Wärst Du gerade dafür offen?"

oder

"Liebe Ines, Ich liebe Dich von ganzem Herzen und es ist mir extrem wichtig, dass es Dir gut geht. Dennoch bist Du meine erste Beziehung und ich bin so neugierig, was ich sonst noch mit anderen Frauen erleben kann. Wie wollen wir damit umgehen?"

Das schaffte ich nicht...

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