Atemtherapie – Hilfe bei Long-Covid-Syndrom

Ob Atemprobleme, Müdigkeit oder Schmerzen: aufgrund einer Corona-Infektion können Patienten von ganz unterschiedlichen Nachwirkungen betroffen sein. Studien deuten darauf hin, dass Betroffene mehr als ein Jahr lang an den Folgen der Infektion leiden können. Um mit den physischen und psychischen Begleiterscheinungen besser umzugehen, bieten Atemtherapeuten ein breites Spektrum an Unterstützung.

Atemtherapie – Hilfe bei Long-Covid-Syndrom

Was bedeutet Long-Covid?

Nicht bei allen Erkrankten ist eine Corona-Infektion nach zwei Wochen wieder vorbei. Einige klagen noch Monate danach über die Langzeitfolgen oder kurz Long-Covid. Insbesondere Menschen, die einen schweren Verlauf hinter sich haben. Anfällig für Symptome sind meist die Atemwege, das Herz-Kreislauf-System, der Muskelapparat, das Nervensystem und der Stoffwechsel. Besonders häufig leiden Patienten unter Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Atembeschwerden wie Kurzatmigkeit oder Flachatmung. Bislang zeigen sich aber noch viele unklare klinische Muster. Manche Patienten schildern, dass der Körper lange nach der Infektion verrücktspielt, was vielen Ärzten und Forschern bis heute Rätsel aufgibt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen derzeit wie wichtig eine Therapie nach der Erkrankung sein kann. So waren zum Beispiel mehr als die Hälfte der 95‘000 Covid-Erkrankten, die in England im Krankenhaus behandelt wurden, nach der Entlassung in therapeutischer Behandlung. Um den Geruchssinn wiederzuerlangen, den Atemrhythmus zu trainieren oder um psychisch betreut zu werden. Forscher und Ärzte haben bei Corona-Infizierten bislang festgestellt, dass ein nicht unerheblicher Teil von ihnen später Symptome von psychischen Störungen zeigt und häufiger an einer Depression erkrankt als Nichtinfizierte oder die Gesamtbevölkerung. Die Therapieoptionen gegen Long-Covid sind bis heute allerdings noch immer unzureichend. Obwohl mögliche Langzeitschäden durch eine frühe, geeignete Therapie verhindert werden können.

Wie die Atemtherapie hilft

Ein möglicher Therapieansatz gegen die Nachwirkungen von Long-Covid ist die Atemtherapie. Sie zählt zu den ältesten therapeutischen Verfahren und reicht über 4‘000 Jahre zurück. Der Atem umfasst den Menschen in seiner Ganzheit, denn die lebensnotwendige Atmung ist mit allen Vorgängen im Organismus verbunden. Alltagsverhalten, Gedanken, Gefühle und körperliche Veränderungen wirken sich auf den Atem aus, können diesen anregen, vertiefen oder teilweise einschränken. Die moderne Atemtherapie ist eine individuelle und ganzheitliche Begleitung. Das bedeutet, sie bezieht Körper, Geist, Seele und Umfeld mit ein. Ein begleitendes Gespräch ist demnach genauso wichtig wie die Atemübungen selbst. Die meist einfachen Atem- und Körperübungen sind speziell auf die Bedürfnisse des Long-Covid Patienten abgestimmt und können auch zuhause durchgeführt werden. Sie helfen den Körper mit frischer Energie zu versorgen und neue Kraft zu schöpfen. Zudem lernen Praktizierende, den Atem richtig einzusetzen, um stressige Situationen zu meistern und ruhiger und gelassener im Alltag zu reagieren.

Die Lunge und das Herz stärken

Daneben kann eine Behandlung auf der Liege helfen, den Atem freier fliessen zu lassen und insgesamt eine wohltuende Entspannung zu spüren. Mit den körperzentrierten Atem- und Bewegungsübungen sowie Atembehandlungen auf der Liege wird ausserdem das Lungen- und das Herz-Kreislauf-System reguliert. Auch das Vertrauen in den Körper und in die eigene Atmung kann so zurückgewonnen werden. Wenn Menschen ihren natürlichen Atemfluss wiederfinden und sich dessen bewusst sind, werden gesundheitsfördernde Prozesse leichter in Gang gesetzt, die persönlichen Ressourcen mobilisiert und der Gedankenfluss beruhigt.

 

Leserfrage

Während meiner Corona-Erkrankung litt ich unter Kurzatmigkeit und fühlte mich schlapp. Wochen später ist das Durchatmen noch eingeschränkt. Was kann ich dagegen tun? Andreas Klee, 64 Jahre

Lieber Herr Klee

Long-Covid-Patienten können eine einfache Übung, die sogenannte Lippenbremse, praktizieren. Atmen Sie durch die Nase ein und dann durch den leicht geöffneten Mund langsam und kontinuierlich wieder aus. Danach warten Sie bis das Einatmen von selbst wieder kommt. Das bewusste, ruhige und tiefe Atmen ist sehr wichtig. Zudem ist regelmässige Aktivität wie Spazieren gehen hilfreich. Scheuen Sie sich nicht, therapeutische Hilfe zu suchen, sollten die Beschwerden nicht besser werden

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