Kinderernährung: Warum kindliches Essverhalten bis ins hohe Alter prägt

Eltern möchten ihr Kind richtig ernähren und erziehen, sodass es mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist und gesunde Essgewohnheiten entwickelt. Doch jedes Kind ist einzigartig, hat individuelle Bedürfnisse und Vorlieben. Um Kindern Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten schmackhaft zu machen, ist es in erster Linie wichtig zu verstehen, wie Kinder ihr Essen erleben.

Kinderernährung: Warum kindliches Essverhalten uns bis ins hohe Alter prägt

Bye, bye Babybrei

Unser Essverhalten wird durch ganz unterschiedliche Faktoren beeinflusst: angefangen bei den biologischen Vorgängen, der Geschmacksentwicklung, der kulturellen Prägung, der Evolution und Genetik. Und nicht zuletzt durch die Erfahrungen und die Erziehung, die uns bis ins hohe Alter prägen. Etwa mit einem Jahr kann die Umstellung von der Säuglingsernährung auf die normale Kost erfolgen. Diese Umstellung bringt häufig Unsicherheiten mit sich und bei den Eltern dreht sich das Gedankenkarussell: welche Lebensmittel gehören auf den Teller? Wie eignet sich mein Kind auf Dauer gesunde Essgewohnheiten an? Kinder sind in der Regel neugierig, wollen Neues kennen lernen und ausprobieren. Das gilt auch beim Essen. Insbesondere jüngere Kinder sind bei der Lebensmittelauswahl noch nicht festgefahren. Das erleichtert das Erlernen von gesunden Entscheidungen. Vor allem die Vorbildrolle der Eltern ist in dieser Zeit gefragt: denn bis die Kinder ungefähr zwei Jahre alt sind, beurteilen sie ihre Lebensmittel noch nicht selbst. Daher essen sie meist am liebsten das, was ihre Eltern essen. Im Jugend- und Erwachsenenalter ist das anders. Dort gilt oft, sich von den Eltern abzugrenzen und mit neuen Ernährungsformen zu experimentieren.

Warum Kinder Süsses lieben

Kinder kommen mit rund 10.000 Geschmacksknospen auf die Welt und sind damit wahre Geschmacksakrobaten. Sie können viel besser riechen und schmecken als Erwachsene. Im Alter degenerieren die Sinne nach und nach. Schon Säuglinge können die fünf Geschmackseindrücke unterscheiden. Dazu zählen süss, sauer, salzig, bitter und umami. Mit dem japanischen Wort wird ein herzhafter Geschmack bezeichnet. Unangefochtener Favorit ist meist Süsses. Es signalisiert dem Baby sichere, schnelle Energien, während bittere Substanzen als giftig eingeordnet werden. Die evolutionären Programme zeigen sich bei Kindern deutlich und haben einen enormen Einfluss auf ihre Lebensmittelauswahl und damit ihr Essverhalten. Doch auch wenn ihr Kind süss bevorzugt, müssen nicht immer Süssigkeiten das Geschmackserlebnis befriedigen. Reife oder getrocknete, süsse Früchte mit ihren Vitaminen und Mineralien, sind eine prima Alternative zu zuckerhaltigen, ungesunden Knabbereien. Seien Sie ausserdem sparsam bei Snackprodukten und fettreicher Kost. Neben süss ist auch fettig genetisch positiv belegt. Insbesondere Produkte mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren wie zum Beispiel Schokocreme, Chips etc. sollten nicht den Ernährungsalltag bestimmen.
 

Der gesunde Kinderteller

Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung während der Schwangerschaft, der Stillzeit und der Zeit der Beikost hat einen enorm positiven Einfluss auf die Vorlieben des Kindes. Auch wenn die Geschmacksprägung bereits im Mutterleib beginnt, heisst das nicht, dass die Neigung hin zu gesunden Lebensmitteln sich nicht im Kleinkindalter weiterentwickeln kann. Die Ernährung bei Kleinkindern sollte vielfältig sein. Verschie­dene gute Lebensmittel ausprobieren und Spass an den Mahlzeiten haben, stärkt die kindliche Essentwicklung. Die Brotzeit könnte zum Beispiel mit Gemüse und Obst bunt aussehen oder mal in Streifen, mal in Scheiben geschnitten sein. Das Essen sollte mit allen Sinnen erlebt werden und darf schön oder lustig aussehen oder schmackhaft riechen. Kinder mögen es, wenn noch nicht alles miteinander vermischt ist. So können Haferflocken und separat dazu Natur­joghurt gereicht werden. Reichlich trinken, am besten Wasser oder andere zuckerfreie Getränke, sind das A und O. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Getreideprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nussmus etc. sind Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung. Ebenso Milch und Milchprodukte sind wichtig, um die Eiweiss- und Calciumzufuhr zu gewährleisten. In Massen gehören auch tierische Lebensmittel auf den abwechslungsreichen Kinderteller. Durch wiederholtes Probieren, ohne Zwang, gewöhnen sich Kinder im Zuge ihrer Entwicklung ein gesundes Essverhalten an. Vielfalt bei Lebensmitteln ist erwünscht und auch mit Kleinkindern am Familientisch gut möglich. Neue Eindrücke können nie falsch sein, denn der Geschmack wird tatsächlich ein Leben lang erlernt.

Sanasearch in Zusammenarbeit mit demebp-schweizund Silvia Schmidt.


Leserfrage

Bei den Grosseltern isst mein Kind ungesund und alles wild durcheinander – wie soll ich damit umgehen?(Sebastian Laufer, 28 Jahre)

Lieber Herr Laufer

Das hängt davon ab, wie häufig das Kind zum Essen bei den Grosseltern ist. Wenn es nur alle zwei Wochen oder noch seltener dort isst, dann ist es völlig okay, dass der Speise­plan mal nicht so optimal ist. Dann gilt: andere Umgebung, andere Regeln. Viele Grosseltern geniessen es, ihre En­kel zu verwöhnen – und das ist für beide Seiten schön. Isst das Kind allerdings häufiger bei Oma und Opa, sollten Sie versuchen, in Sachen Ernährung Kom­promisse mit Ihren Eltern oder Schwie­ger­eltern zu finden.

 

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