Tinnitus - Ursachen und Behandlung

Unangenehme Ohrgeräusche. Dauerhaft oder temporär – das umgangssprachliche Klingeln im Ohr wird immer häufiger zur qualvollen Begleiterscheinung. Studien zeigen, dass ein Drittel aller Erwachsenen weltweit bereits mindestens einmal von einem temporären Ohrgeräusche, dem akuten Tinnitus, betroffen waren. Bei mehr als drei Millionen entwickelte sich daraus sogar ein chronischer Tinnitus.

Tinnitus - Ursachen und Behandlung

Wie äussert sich ein Tinnitus

Betroffenen nehmen den Tinnitus äusserst variabel wahr. Häufig zeigt sich ein ungewohntes und vor allem qualvolles Rauschen, Pfeifen oder Summen. Viele berichten auch von einem Brummen, Sausen oder anhaltenden Piepsen im Ohr. Nicht selten kommt es auch zu einer (temporären) Schwerhörigkeit.

Durch die ungewohnt präsente Dauer-Geräuschkulisse leiden viele Tinnitus-Betroffene an Kopfschmerzen und Verspannungen im Halswirbelbereich. Häufig gehen Kopfschmerzen und Tinnitus sogar Hand in Hand, wenn es um die Symptomatik ganz anderer Krankheitsbilder geht.

Ursachen für Tinnitus

Eine eigenständige Erkrankung sind die plötzlichen qualvollen Geräusche im Ohr nicht. Vielmehr stehen sie für Symptome, die auf bestimmte Grunderkrankungen zurückführen. Um rasche Hilfe bei Tinnitus bekommen zu können, muss zunächst die genaue Ursache ermittelt werden.

Ein einseitiger akuter Tinnitus beispielsweise kann auf einen abdichtenden Fremdkörper hindeuten. Ursächlich dafür sind auch Erkrankungen im Innen- sowie Mittelohr. Ist der Gehörgang entzündet, macht sich dies häufig durch Gehörverlust bemerkbar. Ein beidseitig akuter Tinnitus kommt häufig bei besonders starken Erkältungen sowie Nasennebenhöhlenentzündungen vor.

Ein Knalltrauma oder zu lauter Musikgenuss kann ebenfalls einen akuten Tinnitus auslösen. Ein beidseitig chronischer Tinnitus wird oft durch Dauerstress, Depression, Angststörungen, Bluthochdruck, Blutarmut oder Otosklerose ausgelöst und sollte unbedingt vom medizinischen Fachpersonal überwacht und adäquat behandelt werden.

Tinnitus und Psyche: Stress fördert den qualvollen Dauerton im Ohr

Dauerstress kann krank machen und einen Tinnitus auslösen. Ursächlich dafür ist die Ausschüttung des Hormons Cortisol, das in Stresssituationen ausgeschüttet wird. Die Folge: ein erhöhter Blutdruck im Körper mit steigendem Puls. Durch den Bluthochdruck wird das Innenohr schlechter durchblutet, wodurch der Tinnitus entstehen kann. Das Cortisol führt zusätzlich dafür, dass Glutamat in die Nervenzellen abgegeben wird. Die Folge: erhöhte Kalziumeinlagerung, was zur Schädigung der Hörsinnes- und Nervenzellen führt.

Um den stressbedingten Tinnitus zu vermeiden, sollten sich Betroffene Ruhephasen gönnen und für regelmässige Entspannungsphase im Alltag sorgen. Behilflich dabei können Sport oder ruhebringende Präparate sein. Die Natur bietet mit Baldrian oder Johanniskraut einige natürliche Heilmittel, welche die Entschleunigung unterstützen können.

Wie verläuft der Tinnitus? 

Der Verlauf des Tinnitus ist, wie seine Ausprägung, völlig unterschiedlich. Studien zeigen, dass ca. 70% innerhalb von ein bis zwei Monaten von ihren Hörbeschwerden befreit sind. Bei einigen wird der Tinnitus chronisch, sodass eine dauerhafte unangenehme Geräuschkulisse im Ohr fortan Begleiterscheinung ist.

Der Besuch beim Arzt für die Diagnosesicherung sollte spätestens nach zwei Tagen ohne Verbesserung erfolgen. Tritt der plötzliche Hörverlust auf, ist schnelleres Handeln gefragt. Wer lauter Musik oder anderer lauter Geräuschkulisse (beispielsweise durch Schiessübungen) ausgesetzt war, wird einige Stunden oder sogar Tage danach ein leichtes Fiepen wahrnehmen. Das ist als sogenanntes akutes Knalltrauma normal. Ursächlich dafür ist die kurzzeitige erhöhte Schallbelastung, die auf das empfindliche Innenohr trifft. Dadurch wird ein akustisches Trauma ausgelöst, was meist nach einigen Tagen verschwindet. Bleibt es dennoch über mehrere Monate, sollte der Arzt für die Diagnosesicherung aufgesucht werden.

Behandlung beim Tinnitus

Wie genau die Behandlung beim Tinnitus aussieht, hängt von seinen Symptomen ab. Verschwindet das Pfeifen im Ohr nicht wieder von selbst, ist der Mediziner gefragt. Er weiss, welche Therapieverfahren Wirkung zeigen könnten. Kortison beispielsweise wird bei einer zehn bis 15-tägigen Behandlung eingesetzt, um die Folgen eines Hörsturzes zu lindern.

Eine Infusionstherapie kann dabei helfen, dass Innenohr besser zu durchbluten. Angewandt für 5–10 Tage mit täglich 2–4 Stunden sollen sich Erfolge einstellen. Allerdings ist diese ambulante Therapie für Betroffene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht zu empfehlen.

Die manuelle Behandlung hilft dann, wenn der Tinnitus aufgrund einer Veränderung der Halswirbelsäule auftritt. Der Komplementärtherapeut oder Orthopäde kann die betroffenen Regionen entspannen und die Ursachen für den akuten Tinnitus beseitigen.

Chronischer Tinnitus: Linderung ist Therapieziel

Im Gegensatz zum akuten, bleibt das Geräusch beim chronischen Tinnitus dauerpräsent. Bei der Behandlung der Betroffenen geht es um Linderung der Symptome. Das Vermeiden von lauten Geräuschkulissen und der Schutz der Ohren davor hat oberste Prämisse.

Ohrstöpsel können helfen, einen Schalldruck zwischen 20–30 dB zu nehmen. Der reduzierte Schall trifft weniger stark auf das sensible Innenohr, was die reizende Tonerzeugung minimiert. Bei einem dauerhaften Hörschaden kann ein optimal angepasstes Hörgerät Abhilfe schaffen. Es verstärkt nicht nur vermeintlich leise Geräusche, sondern reguliert parallel überschwelligen Lärm eigenständig. Dadurch wird der Tinnitus für die Betroffenen als deutlich angenehmer bzw. erträglicher wahrgenommen.

Tipps, um stressbedingten Tinnitus zu vermeiden

Die Tinnitusforschung der Charité Berlin und anderer internationaler Einrichtungen zeigt, dass Tinnitus immer häufiger durch Stress hervorgerufen wird. Eine dauerhafte Stressaussetzung kann eine Hypersensibilität des Ohres hervorrufen, die Hörfähigkeit einschränken und unangenehme Nebengeräusche erzeugen. Mit einigen einfachen Tipps kann jeder seinen Anti-Stress-Alltag besser meistern:

1. Ruhepausen einbauen

Regelmässige Ruhepausen im stressigen Alltag sind wichtig. Das bedeutet: handyfreie Zeit oder Entspannungsverfahren. Autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung können helfen, das Stresslevel zu senken. Zu den Ruhepausen gehört auch ausreichend Schlaf. Experten empfehlen täglich mindestens sieben Stunden.

2. Sportliches Ventil suchen

Sport hilft der Psyche, zu entspannen, und unterstützt das Herz-Kreislauf-System wohltuend. Ausdauersport ist optimal, um Stress zu reduzieren. Es muss nicht immer die Vorbereitung auf den Halbmarathon sein. Regelmässige Spaziergänge oder täglich mindestens 10.000 Schritte helfen, den Körper in Bewegung zu halten und das Stressniveau zu senken.

3. Lärm meiden

Wer weiss, dass er besonders sensibel auf Lärm oder bestimmte Frequenzgeräusche reagiert, sollte handeln. Es gilt, die mögliche Tinnitus-hervorrufende Geräuschkulisse zu meiden. Der Verzicht auf Konzerte oder andere hochtonale Veranstaltungen ist nicht notwendig. Mit dem passenden Gehörschutz wird das Erlebnis auch für die Ohren erträglicher.

4. Auf bestimmte Genussmittel verzichten

Experten fanden heraus, dass bestimmte Genussmittel bzw. deren enthaltenen Substanzen Tinnitus verstärken oder auslösen können. Hierzu gehören beispielsweise Nikotin, Koffein oder Alkohol. Mithilfe von einem Tinnitus-Tagebuch lässt sich gut herausfinden, ob allergische Reaktionen auf bestimmte Genussmittel Auslöser für das störende Geräusch im Ohr sind.

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